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News – Nachrüstpflicht für Photovoltaik-Anlagen – neue Systemstabilitätsverordnung in Kraft getreten

17.08.2012

Nachrüstpflicht für Photovoltaik-Anlagen – neue Systemstabilitätsverordnung in Kraft getreten

news-Nachrüstpflicht für Photovoltaik-AnlagenIm Juli 2012 ist die neue Verordnung zur Gewährleistung der technischen Sicherheit und Systemstabilität des Elektroenergieversorgungsnetzes (SysStabV) in Kraft getreten. Verteilnetzbetreiber sollen in den nächsten zweieinhalb Jahren das sog. 50,2-Hz-Problem von Photovoltaikanlagen lösen.

Bestandsanlagen mit Wechselrichtern, die bei einer Netz-Frequenz von 50,2-Hz die Photovoltaikanlagen vom Netz trennen, führten in der Vergangenheit zu Stabilitätsproblemen, weil schlagartig eine große Anzahl Energieerzeugungsanlagen vom Netz getrennt wurden und dies enorme Frequenzschwankungen verursacht.

Mit der im Juli in Kraft getretenen Systemstabilitätsverordnung werden die Netzbetreiber verpflichtet, folgende Bestandsanlagen nachzurüsten:>

PV-Anlagen (NS-Netz) mit einer installierten Leistung von mehr als 10 kW, die zwischen dem 01.09.2005 und dem 31.12.2011 in Betrieb genommen wurden
PV-Anlagen (NS-Netz) mit einer installierten Leistung von mehr als 100 kW, die zwischen dem 01.05.2001 und dem 31.12.2011 in Betrieb genommen wurden
PV-Anlagen (MS-Netz) mit einer Maximalleistung von mehr als 30 kW, die zwischen dem 01.05.2001 und dem 31.12.2008 in Betrieb genommen wurden

Eine Nachrüstung muss entsprechend der Anforderungen der Anwendungsregel VDE-AR-N 4105:2011-8 für Niederspannungsanlagen und gemäß der technischen Richtlinie „Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz“ des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft für Mittelspannungsanlagen erfolgen. Sie umfasst dabei das Einstellen von Kennlinien oder eine Änderung der Parameter am Wechselrichter, um eine stufenlose- bzw. stufenweise Abschaltung zu bewirken. Die Nachrüstung umfasst jedoch nicht den Austausch des Wechselrichters. Wäre ein Austausch des Wechselrichters erforderlich um die Anwendungsregel 4105 einzuhalten, beschränkt sich die Nachrüstpflicht auf eine Einstellung der Wirkleistungsreduktion an der NS-Anlage bzw. auf die Einstellung für die Über- und Unterfrequenzabschaltung für Mittelspannungs- und Niederspannungsanlagen. Die Überfrequenzabschaltung muss in der Regelzone so gestuft werden, dass nicht alle Photovoltaikanlagen bei der gleichen Frequenz abgeschaltet werden. Die Unterfrequenzabschaltung soll bei allen Anlagen auf 47,5 Hz eingestellt werden. Sollten diese Möglichkeiten aus technischen Gründen nicht wahrgenommen werden können, weil der Austausch des Wechselrichters notwendig wäre, besteht keine Nachrüstpflicht. Die erforderlichen Daten der Anlagen und die damit verbundene Ermittlung der Methode zur Nachrüstung muss der Übertragungsnetzbetreiber an die Verteilnetzbetreiber in seinem Netzgebiet übermitteln. Hierbei sind auch die einzustellenden Werte für die Überfrequenzabschaltung zu übermitteln.

Verantwortlich für die Nachrüstung der Photovoltaikanlagen im Netzgebiet ist der Verteilnetzbetreiber. Dieser hat Fachfirmen mit der Nachrüstung zu beauftragen. Der Anlagenbetreiber muss diese Maßnahme dulden und den Zugang zur Anlage ermöglichen. Folgende Fristen gelten für die Umsetzung der Nachrüstung:

PV-Anlagen mit mehr als 100 kW installierter Leistung: bis 31.08.2013
PV-Anlagen von 30 bis 100 kW: bis 31.05.2014
PV-Anlagen von 10 bis 30 kW installierter Leistung: bis 31.12.2014

Die Kosten für die Umrüstung können von den Verteilnetzbetreibern zur Hälfte bei der Ermittlung der Netzentgelte geltend gemacht werden. Die andere Hälfte der Kosten soll durch Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes über die Ausgleichsregelung mit dem Übertragungsnetzbetreiber auf die EEG-Umlage abgewälzt werden können. Mit der SysStabV wird auch die Anreizregulierungsverordnung (ARegV) ergänzt. Die Kosten der Nachrüstung gelten darin als nicht beeinflussbare Kosten.

Die Verordnung im Wortlaut finden Sie hier:

https://www.clearingstelle-eeg.de/files/SysStabV_120720.pdf

 

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